Bitcoin und Steuern: Weltweite Verschärfung trifft auf Scheidungsdramen

Bitcoin und Steuern: Weltweite Verschärfung trifft auf Scheidungsdramen

Während weltweit vier Länder ihre Krypto-Steuergesetze überarbeiten, offenbart sich ein neues Phänomen: Bitcoin wird zunehmend in Scheidungsverfahren verschwiegen – mit teils strafrechtlichen Konsequenzen.

Bitcoin zwischen Fiskus und Familienrecht: Eine digitale Herausforderung mit zwei Gesichtern

Die steuerliche und rechtliche Behandlung von Bitcoin entwickelt sich 2025 zu einem Brennpunkt für Gesetzgeber und Gerichte weltweit. Während Steuerbehörden in mindestens vier Ländern ihre Regulierung verschärfen, kämpfen Familiengerichte mit einem neuen Phänomen: Vermögende Ehepartner verschweigen zunehmend ihre Krypto-Bestände in Scheidungsverfahren. Die digitale Natur von Bitcoin macht ihn dabei zum perfekten Versteck – aber auch zur rechtlichen Falle.

Die Fakten

Im Februar 2025 haben gleich vier Länder Änderungen ihrer Krypto-Steuergesetze eingeleitet oder angekündigt. Die Niederlande gingen dabei besonders aggressiv vor: Das Repräsentantenhaus verabschiedete am 12. Februar einen Gesetzentwurf, der eine 36-prozentige Kapitalertragssteuer auf nicht realisierte Gewinne bei Ersparnissen und liquiden Investionen einschließlich Kryptowährungen vorsah. Mit 93 von 150 Stimmen fand der Vorschlag zwar eine Mehrheit, stieß jedoch auf massive Kritik[1]. Das niederländische Kabinett kündigte daraufhin eine Überarbeitung an: "Es gibt viel Kritik am Actual Return Act. Wir sind dafür nicht taub... Das Gesetz muss geändert werden", erklärte ein Regierungssprecher[1].

In Israel startete das Israeli Crypto Blockchain & Web 3.0 Companies Forum eine Lobbykampagne zur Reform der Krypto-Steuergesetze. Forum-Leiter Nir Hirshmann-Rub verwies auf breite öffentliche Unterstützung für eine Lockerung der Gesetze zu Stablecoins und Tokenisierung sowie für eine Vereinfachung der Compliance. Er betonte, dass bereits "mehr als 25 Prozent der Bevölkerung in den letzten fünf Jahren mit Kryptowährungen zu tun hatten und mehr als 20 Prozent derzeit digitale Assets halten"[1].

Hongkong kündigte an, die Inland Revenue Ordinance anzupassen, um das Crypto-Asset Reporting Framework (CARF) der OECD umzusetzen – einen globalen Austauschstandard für Krypto-Steuerdaten zur Bekämpfung von Steuerhinterziehung[1]. Vietnam schlug eine 0,1-prozentige Einkommenssteuer auf den Transaktionswert bei Krypto-Überweisungen über lizenzierte Dienstleister vor, während normale Mehrwertsteuern nicht anfallen würden[1].

Parallel zu diesen steuerlichen Entwicklungen beobachten auf Familienrecht spezialisierte Anwälte ein wachsendes Phänomen: Vermögende Ehepartner verschweigen zunehmend ihre Bitcoin- und Krypto-Bestände in Scheidungsverfahren. Alex Breedon, Partner der Kanzlei Withers, berichtete von Fällen, in denen Krypto-Assets im Wert von mehreren Millionen Pfund aufgedeckt wurden. Die "ergiebigsten Fundorte" seien Kontoauszüge, öffentliche Krypto-Ledger und die forensische Untersuchung physischer Geräte[2].

In einem dokumentierten Fall wurde eine Ehefrau durch handschriftliche Notizen mit langen Zahlenfolgen misstrauisch und erwirkte gerichtliche Offenlegungs- und Einfrierungsanordnungen gegen ihren Ehemann und eine Krypto-Börse. Der Mann räumte daraufhin ein, tatsächlich Krypto-Assets zu halten, rechtfertigte sich aber damit, dass diese "alt gewesen seien und es keine wirklichen Transaktionen mehr gegeben habe"[2].

Peter Burgess von der Kanzlei Burgess Mee sieht Krypto als "neue Ausprägung eines alten Problems": "Früher parkten Menschen ihr Geld in Offshore-Treuhandstrukturen, Unternehmen und ähnlichem; das passiert natürlich immer noch, aber zunehmend sehen wir, dass es in Krypto geschieht." Er prognostiziert, dass die Zahl solcher Fälle in den kommenden zehn Jahren deutlich steigen werde[2].

In Deutschland werden Bitcoin im Scheidungsfall wie andere Vermögenswerte behandelt. Bei der gesetzlichen Zugewinngemeinschaft wird berechnet, wie viel Vermögen beide Partner zwischen Eheschließung und Zustellung des Scheidungsantrags hinzugewonnen haben. Rechtsanwalt Christian Solmecke erklärt: "Derjenige, der in dieser Zeit mehr hinzugewonnen hat, muss dann dem anderen die Hälfte dieses Zugewinns abgeben." Durch starke Kursschwankungen könne es passieren, dass Bitcoin am Stichtag sehr hoch bewertet werden, bis zum Verfahrensende jedoch deutlich an Wert verlieren – "teures Pech" für den vermeintlich vermögenderen Partner[2].

Bei Verdacht auf Verschweigen greift ein gesetzlicher Auskunftsanspruch. "Verschweigt er dabei Bitcoin, kann er sich auch wegen Prozessbetrugs strafbar machen", warnt Solmecke. Allerdings sei nicht gesichert, dass ein solches Verschweigen auffällt: "So ist es zum Beispiel möglich, die Wallet auf einen USB-Stick zu verschieben und damit 'offline' zu verstecken"[2].

Analyse & Einordnung

Die parallelen Entwicklungen in Steuerrecht und Familienrecht offenbaren ein fundamentales Dilemma der Bitcoin-Adoption: Je attraktiver Bitcoin als Wertspeicher wird, desto größer wird das Interesse von Behörden und Gerichten an Transparenz – und gleichzeitig die Versuchung zur Verschleierung. Die digitale Natur von Bitcoin, ursprünglich als Feature für finanzielle Souveränität konzipiert, wird nun zum Problem für Rechtssysteme, die auf Transparenz und Nachvollziehbarkeit angewiesen sind.

Die weltweite Verschärfung der Steuergesetze folgt einem klaren Muster: Regierungen wollen die Steuerbasis sichern, während Bitcoin-Halter zunehmend als relevante Vermögensgruppe erkannt werden. Die niederländische Idee einer Steuer auf unrealisierte Gewinne ist besonders bemerkenswert – und gefährlich. Sie würde Anleger zwingen, Bitcoin zu verkaufen, nur um die Steuerlast zu begleichen, was dem langfristigen Halte-Prinzip fundamental widerspricht. Die öffentliche Gegenreaktion zeigt jedoch, dass solche Übergriffe auf politischen Widerstand stoßen.

Die Scheidungsproblematik ist dagegen subtiler und wird sich verschärfen. Die Tatsache, dass Self-Custody-Wallets auf USB-Sticks oder Hardware-Wallets keine automatische Spur in Bankensystemen hinterlassen, macht Bitcoin zum idealen Versteck. Gleichzeitig sind Blockchain-Transaktionen prinzipiell nachvollziehbar – wer einmal eine Adresse zugeordnet bekommt, dessen gesamte Transaktionshistorie liegt offen. Forensische Blockchain-Analyse wird daher zum Standard-Werkzeug in vermögensrechtlichen Auseinandersetzungen. Die strafrechtlichen Konsequenzen in Deutschland – Prozessbetrug – sollten als deutliche Warnung verstanden werden.

Mittelfristig wird diese Entwicklung die Compliance-Anforderungen für Bitcoin-Holder erhöhen. Wer heute glaubt, in einer rechtlichen Grauzone agieren zu können, wird morgen mit Nachforderungen und Strafverfahren konfrontiert. Gleichzeitig zeigt die Vielfalt nationaler Ansätze, dass ein globaler Standard noch in weiter Ferne liegt – was für international aktive Bitcoin-Holder zusätzliche Komplexität bedeutet.

Fazit

• Die weltweite Verschärfung der Krypto-Besteuerung ist irreversibel – Bitcoin-Holder müssen mit zunehmender steuerlicher Transparenz und höheren Compliance-Anforderungen rechnen

• Das Verschweigen von Bitcoin in Scheidungsverfahren kann strafrechtliche Konsequenzen haben, insbesondere in Deutschland droht eine Strafbarkeit wegen Prozessbetrugs

• Self-Custody bietet zwar Schutz vor Konfiszierung, macht aber forensische Blockchain-Analyse zum Standard-Werkzeug in Vermögensstreitigkeiten – vollständige Anonymität ist eine Illusion

• Die volatile Bewertung von Bitcoin kann in deutschen Scheidungsverfahren zum "teuren Pech" werden, wenn der Stichtag-Wert deutlich über dem Auszahlungswert liegt

• Für langfristige Bitcoin-Holder wird professionelle steuerliche und rechtliche Beratung zunehmend unverzichtbar, um nicht in Konflikt mit sich verschärfenden Regulierungen zu geraten

KI-gestützter Inhalt

Dieser Artikel wurde mit KI-Unterstützung erstellt. Alle Fakten stammen aus verifizierten Nachrichtenquellen.

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