Bitcoin-Crash auf 60.000 USD: Wenn Panik die Märkte regiert und Fundamentaldaten keine Rolle mehr spielen

Bitcoin fiel auf 60.000 US-Dollar und verzeichnete den schlechtesten Handelstag seit dem FTX-Kollaps 2022. Während Zwangsliquidierungen von über 2,6 Milliarden Dollar den Absturz beschleunigten, zeigt die Marktreaktion vor allem eines: In Extremsituationen weicht rationales Verhalten blanker Panik.
Wenn Fundamentaldaten der Panik weichen: Bitcoin im freien Fall
Der Bitcoin-Kurs hat in der Nacht zum Freitag ein Niveau erreicht, das selbst erfahrene Marktteilnehmer aufhorchen lässt. Mit einem Absturz auf zeitweise 60.001 US-Dollar auf Coinbase [1] markierte Bitcoin nicht nur den niedrigsten Stand seit Oktober 2024, sondern vollzog auch eine Halbierung vom Allzeithoch im Oktober 2025 bei etwa 126.300 US-Dollar [1]. Besonders bemerkenswert: Der gestrige Handelstag mit einem Minus von 13,98 Prozent war der schlechteste seit dem FTX-Kollaps im November 2022 [1]. Was diese Entwicklung so aufschlussreich macht, ist weniger der Crash selbst – Bitcoin-Veteranen kennen solche Volatilität – sondern vielmehr das völlige Auseinanderdriften von fundamentaler Bewertung und Marktsentiment. Hier zeigt sich in Reinform, wie moderne Märkte in Extremsituationen funktionieren: Zwangsliquidierungen, Momentum-Trading und Panikverkäufe überlagern jede rationale Bewertung.
Die Fakten
Die nackten Zahlen zeichnen ein dramatisches Bild der jüngsten Marktentwicklung. Bitcoin verlor innerhalb von nur drei Wochen mehr als 35 Prozent an Wert [1] und gab damit sämtliche Kursgewinne seit dem Wahlsieg Donald Trumps am 5. November 2024 wieder ab, als Bitcoin noch bei etwa 70.000 US-Dollar notierte [1]. Der Absturz unter das vorherige Allzeithoch von 69.000 US-Dollar aus November 2021 leitete dabei eine Beschleunigung der Abwärtsbewegung ein [1].
Die Derivatemärkte wurden von regelrechten Liquidierungskaskaden erfasst. Allein in den 24 Stunden bis Freitagmorgen wurden Positionen im Gesamtwert von 2,6 bis 2,7 Milliarden US-Dollar zwangsliquidiert, wobei 85 Prozent davon auf gehebelte Long-Positionen entfielen [2][3]. Über 588.000 Trader waren von diesen Liquidierungen betroffen [3]. Am vorangegangenen Samstag waren die Zwangsliquidierungen mit über 2,4 Milliarden US-Dollar sogar noch umfangreicher [1]. Diese Zwangsverkäufe verstärkten die Abwärtsbewegung erheblich und zeigen die Gefahren spekulativer Hebelgeschäfte in volatilen Märkten.
Der Verkaufsdruck manifestierte sich auch in den Wallet-Bewegungen großer Investoren. Daten von Cryptoquant zeigen, dass die größte Exchange Binance Zuflüsse von rund 78.500 BTC verzeichnete, wovon fast die Hälfte (48,5 Prozent) von sogenannten Walen stammte – der höchste Wert seit dem Krisenjahr 2022 [2]. Diese Transfers auf Börsen werden typischerweise als Verkaufsvorbereitung interpretiert.
Das Marktsentiment erreichte extreme Tiefstände. Der Crypto Fear & Greed Index fiel auf einen Wert von 9 von 100 Punkten und markierte damit "extreme Angst" – den niedrigsten Stand seit Juni 2022, als der Markt unter dem Terra-Kollaps litt [3]. Bitcoin handelte erstmals seit dem Höhepunkt des Bärenmarkts unter dem 200-Wochen-exponentiellen gleitenden Durchschnitt, einem wichtigen langfristigen Trendindikator [3].
Die Auswirkungen auf prominente Bitcoin-Treasury-Unternehmen waren gravierend. Strategy, das größte Bitcoin-haltendes Unternehmen mit 713.502 BTC in der Bilanz, meldete nachbörslich einen Investitionsverlust von 17,4 Milliarden US-Dollar für Q4 2025 und rutschte erstmals seit Oktober 2023 wieder deutlich unter Wasser [1]. Zeitweise saß das Unternehmen auf unrealisierten Verlusten von bis zu 11 Milliarden US-Dollar, als Bitcoin die 60.000-Dollar-Marke testete [2]. Michael Saylor zeigte sich dennoch gelassen und erklärte gegenüber Fox Business: "Solange Bitcoin jedes Jahr um 1,25 Prozent steigt, kann Strategy seine Dividenden für immer zahlen" [2]. Noch härter traf es Bitmine und dessen Ethereum-Position: Das Unternehmen verlor trotz Nachkäufen von fast 42.000 ETH über 8 Milliarden US-Dollar, mehr als 50 Prozent des Gesamtwerts [2].
Analyse & Einordnung
Die aktuelle Situation offenbart eine fundamentale Marktdynamik: Bitcoin reagiert in dieser Phase nicht auf spezifische negative Nachrichten, sondern fällt, weil er fällt. Es gibt keine Bitcoin-spezifischen Ereignisse, die den Crash rechtfertigen würden [1]. Stattdessen beobachten wir ein klassisches Momentum-Phänomen, bei dem technische Faktoren und Markttechnik die Preisbildung dominieren. Die Nominierung von Kevin Warsh als Fed-Nachfolger für Jerome Powell – ein bekannter Falke in geldpolitischen Fragen – löste zwar anfängliche Nervosität aus, kann aber den Crash nicht vollständig erklären, da diese Information bereits seit über einer Woche bekannt war [1].
Interessant ist die veränderte Korrelation zu traditionellen Anlageklassen. Bitcoin entwickelt sich zunehmend zu einem "Risk-On-Asset", das in Phasen allgemeiner Marktnervosität überproportional abverkauft wird [1]. Gleichzeitig fielen auch der Nasdaq 100 sowie Gold und Silber [1], was auf eine breitere Flucht in Cash hindeutet. Jeff Ko von CoinEx Research betont, dass Bitcoin seine erhoffte Funktion als sicherer Hafen im Vergleich zu Gold nicht erfüllt, während parallel US-Technologieaktien unter Bewertungsdruck geraten [3]. Die Schwäche im Tech-Sektor, exemplarisch durch Amazons enttäuschende Gewinnprognose und die Ankündigung von 200 Milliarden Dollar Investitionen in KI-Projekte, verstärkt die risikoaverse Haltung der Investoren [2].
Historisch betrachtet bietet die aktuelle Situation durchaus Parallelen zu früheren Zyklen. Ende 2022, als Bitcoin ebenfalls unter das vorherige Zyklushoch fiel und Panik herrschte, erwies sich dies als außergewöhnliche Kaufgelegenheit. Wer damals bei 15.500 US-Dollar einstieg, hätte drei Jahre später 700 Prozent Plus verzeichnet und läge trotz der aktuellen Korrektur noch immer etwa 300 Prozent im Gewinn [1]. Allerdings bildete Bitcoin in vergangenen Zyklen seinen Boden typischerweise etwa ein Jahr nach dem vorübergehenden Höchststand, was bedeuten könnte, dass weitere schwache Monate bevorstehen [1]. Andererseits ist denkbar, dass der Markt dieses Muster bereits antizipiert und vorweggenommen hat.
Die fundamentalen Eigenschaften von Bitcoin – begrenzte Gesamtmenge, Dezentralität, fehlende Kontrahentenrisiken – haben sich nicht geändert [1]. Gerade in Zeiten geopolitischer Spannungen, wie der aktuellen Eskalation zwischen den USA und dem Iran mit Warnungen an US-Bürger, das Land zu verlassen [2], sollten diese Eigenschaften theoretisch an Wert gewinnen. Dass der Markt aktuell anders reagiert, zeigt die Diskrepanz zwischen theoretischem Wertversprechen und praktischem Marktverhalten in Stressphasen.
Fazit
• Der Bitcoin-Crash auf 60.000 US-Dollar wird primär durch technische Faktoren getrieben – Liquidierungskaskaden von über 2,6 Milliarden Dollar, Momentum-Verkäufe und extreme Angst im Markt – nicht durch fundamentale Verschlechterungen des Bitcoin-Netzwerks selbst
• Die historische Perspektive mahnt zur Differenzierung: Während vergangene Bärenmärkte etwa ein Jahr bis zur Bodenbildung benötigten, zeigt die Bitcoin-Geschichte auch, dass geduldige Investoren, die Schwächephasen aussaßen oder nachkauften, langfristig belohnt wurden
• Bitcoin entwickelt sich zunehmend zu einem hochkorrelierten Risk-Asset, das seine theoretische Rolle als sicherer Hafen in Krisenphasen bisher nicht erfüllt – ein wichtiger Erkenntnisgewinn für die Asset-Allokation
• Die drastischen Verluste von Treasury-Unternehmen wie Strategy demonstrieren die Volatilitätsrisiken konzentrierter Bitcoin-Positionen, auch wenn deren langfristige Strategie unverändert bleibt
• In solchen Extremphasen kann ein systematischer Sparplan-Ansatz rational sein: Er ermöglicht Partizipation an einer möglichen Erholung, während gleichzeitig bei weiteren Rückgängen nachgekauft werden kann – ohne timing-abhängige Alles-oder-Nichts-Entscheidungen treffen zu müssen
Quellen
KI-gestützter Inhalt
Dieser Artikel wurde mit KI-Unterstützung erstellt. Alle Fakten stammen aus verifizierten Nachrichtenquellen.