Bitcoin-ETFs unter Wasser: 2,8 Milliarden Dollar Abflüsse und systemische Risiken erschüttern den Markt

US-Spot-Bitcoin-ETFs verzeichnen ihre zweit- und drittgrößten Abflusswellen überhaupt, während der durchschnittliche Einstandspreis über dem aktuellen Bitcoin-Kurs liegt. Gleichzeitig werfen Brancheninsider der größten Krypto-Börse vor, durch riskante Produkte eine hausgemachte Krise ausgelöst zu haben.
Institutionelle Anleger im Minus: Wenn die größten Bitcoin-Investoren rote Zahlen schreiben
Die scheinbar unaufhaltsame Erfolgsgeschichte der Bitcoin-ETFs hat einen empfindlichen Dämpfer erhalten. Nach massiven Kapitalabflüssen von 2,8 Milliarden Dollar innerhalb von zwei Wochen notiert Bitcoin nun unterhalb des durchschnittlichen Einstandspreises aller US-Spot-ETF-Investoren. Während der Markt mit einem Preisverfall von über 40 Prozent seit dem Höchststand kämpft, enthüllen neue Vorwürfe gegen die weltgrößte Krypto-Börse Binance möglicherweise tieferliegende strukturelle Probleme, die weit über normale Marktzyklen hinausgehen.
Die Fakten
Die elf US-Spot-Bitcoin-ETFs verwalten aktuell Vermögenswerte von rund 113 Milliarden Dollar und halten gemeinsam etwa 1,28 Millionen BTC [1]. Dies entspricht einem durchschnittlichen Einstandspreis von circa 87.830 Dollar pro Bitcoin. Der Bitcoin-Kurs brach jedoch von 84.000 Dollar am Samstag um rund 11 Prozent auf ein Neun-Monats-Tief von etwa 74.600 Dollar ein [1]. "Das bedeutet, dass der durchschnittliche ETF-Kauf im Minus ist", erklärte Alex Thorn, Forschungsleiter bei Galaxy [1].
Die ETFs erlebten ihre zweit- und drittgrößten Abflusswellen überhaupt: 1,49 Milliarden Dollar in der vergangenen Woche und 1,32 Milliarden Dollar in der Woche davor [1]. Besonders bemerkenswert: Während Bitcoin seit dem Oktober-Höchststand um 40 Prozent gefallen ist, sanken die verwalteten Vermögen der ETFs um 31,5 Prozent von ihrem Peak bei 165 Milliarden Dollar [1]. Thorn interpretiert dies als Zeichen von "Hodling" durch institutionelle Investoren, da die kumulativen Zuflüsse nur um 12 Prozent zurückgegangen seien, während Bitcoin um 38 Prozent fiel [1].
Nick Ruck, Direktor bei LVRG Research, warnte vor einem ausgewachsenen Bärenmarkt, sollte keine baldige Erholung eintreten. "Der Krypto-Markt setzt seinen Ausverkauf fort, da Bitcoin inmitten erhöhter makroökonomischer Unsicherheit auf etwa 76.000 Dollar fällt", sagte er [1]. Als Gründe nannte Ruck geopolitische Konflikte, Dollar-Instabilität sowie die schwierige wirtschaftliche Lage der USA zwischen steigender Arbeitslosigkeit und Inflation [1].
Parallel zu den ETF-Turbulenzen eskaliert ein öffentlicher Konflikt zwischen führenden Krypto-Börsen. Star Xu, CEO von OKX, beschuldigte in einem Post auf X den Konkurrenten Binance, durch "aggressive und teils irreführende Marketingmaßnahmen" eine "hausgemachte Krise" ausgelöst zu haben [2]. Im Zentrum der Vorwürfe steht der Stablecoin USDe von Ethena, den Binance knapp einen Monat vor dem Oktobercrash 2024 ins Angebot aufnahm und anschließend mit einer Werbeaktion bewarb, die 12 Prozent Rendite über Binance Earn versprach [2].
Das besondere Risiko von USDe liegt in seiner Konstruktion: Anders als klassische Stablecoins wie USDT oder USDC, die durch Staatsanleihen besichert sind, nutzt Ethena ein Absicherungsmodell über Derivatemärkte. Für jeden ausgegebenen USDe eröffnet Ethena eine gleich große Short-Position, um Preisbewegungen auszugleichen [2]. Laut Xu habe Binance aktiv den Umtausch von USDT und USDC in USDe beworben, was einen gefährlichen Kreislauf in Gang setzte: Nutzer tauschten ihre Stablecoin-Bestände in USDe, nutzten diese als Sicherheit, um mehr USDT zu leihen, die wiederum in USDe umgewandelt wurden – mit künstlichen Renditen von bis zu 70 Prozent [2].
"Als die Volatilität zunahm, depeggte USDe kurz. Es kam zu einer Kettenreaktion von Liquidationen", analysierte Xu [2]. Der OKX-Chef behauptete, dieses "systemische Risiko" habe mehr Schaden angerichtet als der Kollaps der Krypto-Börse FTX. Im Oktober 2024 flossen über 19 Milliarden Dollar aus dem Markt [2]. Solana-Gründer Anatoly Yakovenko teilte Xus kritischen Post, woraufhin Binance-Gründer Changpeng Zhao ihm entfolgte [2].
Analyse & Einordnung
Die Kombination aus ETF-Abflüssen und den Vorwürfen gegen Binance offenbart zwei parallel laufende Entwicklungen, die den Bitcoin-Markt unter Druck setzen. Erstens zeigt die Tatsache, dass institutionelle ETF-Investoren erstmals mehrheitlich im Minus sind, dass selbst die vermeintlich "starken Hände" der Wall Street nicht immun gegen Marktstress sind. Der Umstand, dass die kumulativen Zuflüsse prozentual weniger stark zurückgegangen sind als der Bitcoin-Preis, deutet jedoch tatsächlich auf Widerstandsfähigkeit hin – viele Investoren realisieren ihre Verluste nicht, sondern warten ab.
Historisch betrachtet sind Phasen, in denen große Investorengruppen unter Wasser sind, kritische Wendepunkte. In früheren Zyklen führten solche Situationen entweder zu kapitulationsartigen Ausverkäufen oder markierten Bodenbildungen, wenn die Haltebereitschaft groß genug war. Die ETF-Struktur könnte hier paradoxerweise stabilisierend wirken: Anders als direkte Bitcoin-Besitzer können ETF-Investoren ihre Positionen nicht so leicht in Panik liquidieren, da sie an traditionelle Handelszeiten gebunden sind und oft längerfristige Allokationsstrategien verfolgen.
Die Ethena-USDe-Kontroverse wirft ein grelles Licht auf die systemischen Risiken hochgehebelter DeFi-Konstrukte, besonders wenn diese von großen zentralisierten Börsen aggressiv beworben werden. Das beschriebene Leverage-Karussell – Stablecoin als Sicherheit nutzen, um mehr Stablecoins zu leihen, die wieder als Sicherheit dienen – erinnert fatal an die Dynamiken, die zum Zusammenbruch von Terra/Luna führten. Der entscheidende Unterschied: Während Terra ein algorithmischer Stablecoin ohne echte Sicherheiten war, ist USDe theoretisch durch Derivate abgesichert. Doch wie die Oktober-Liquidationen zeigten, funktioniert diese Absicherung in volatilen Märkten nur bedingt.
Die makroökonomischen Rahmenbedingungen verschärfen die Situation zusätzlich. Die von Ruck angesprochene Liquiditätsverknappung in den USA trifft Bitcoin als risikobehaftetes Asset besonders hart. Sollte sich die wirtschaftliche Unsicherheit fortsetzen, könnte der Druck auf risikobehaftete Anlagen anhalten, unabhängig von krypto-spezifischen Entwicklungen. Die Tatsache, dass selbst positive regulatorische Signale wie Trump's Kandidat für den Fed-Vorsitz keine Erholung auslösen konnten, unterstreicht die Dominanz makroökonomischer Faktoren.
Fazit
• Die durchschnittlichen ETF-Investoren befinden sich erstmals im Minus, was einen psychologisch kritischen Punkt markiert – die kommenden Wochen werden zeigen, ob institutionelle Anleger tatsächlich stärkere Hände haben oder ob Kapitulation folgt
• Die Vorwürfe gegen Binance bezüglich riskanter Stablecoin-Produkte offenbaren strukturelle Schwächen im Krypto-Ökosystem, die über normale Marktzyklen hinausgehen und regulatorische Aufmerksamkeit verdienen
• Mit Bitcoin deutlich unter 80.000 Dollar und anhaltenden makroökonomischen Unsicherheiten könnte sich ein längerer Konsolidierungszeitraum etablieren – technische Indikatoren deuten auf anhaltenden Verkaufsdruck hin
• Die Kombination aus 2,8 Milliarden Dollar ETF-Abflüssen und systemischen DeFi-Risiken schafft ein fragiles Marktumfeld, in dem weitere negative Katalysatoren überproportionale Auswirkungen haben könnten
• Langfristig orientierte Investoren sollten die Unterschiede zwischen verschiedenen Stablecoin-Konstruktionen verstehen und die Risiken hochgehebelter Yield-Strategien nicht unterschätzen – was zu gut klingt, um wahr zu sein, endet meist genau so
Quellen
KI-gestützter Inhalt
Dieser Artikel wurde mit KI-Unterstützung erstellt. Alle Fakten stammen aus verifizierten Nachrichtenquellen.