Mining-Miner auf Identitätskurs: Warum Bitcoin und KI nicht gleich sind

Während Mining-Unternehmen zunehmend in KI-Infrastruktur diversifizieren, zeigt ein neuer Forschungsbericht fundamentale Unterschiede auf – mit weitreichenden Konsequenzen für Regulierung und Netzstabilität.
Mining-Industrie im Spannungsfeld: Zwischen technischer Realität und politischer Wahrnehmung
Während die Mining-Industrie unter zunehmendem Margendruck ihre Geschäftsmodelle erweitert und in KI-Rechenzentren investiert, gerät eine fundamentale Unterscheidung in Gefahr: Bitcoin-Mining und KI-Infrastruktur mögen beide energieintensiv sein, doch ihre Auswirkungen auf Stromnetze könnten kaum unterschiedlicher sein. Diese Differenzierung wird zum entscheidenden Faktor, wenn Regulierungsbehörden in Nordamerika über die Zukunft energieintensiver Rechenzentren entscheiden – und damit möglicherweise über die Zukunft der Mining-Industrie selbst.
Die jüngste Übernahme von Exaion durch MARA Holdings illustriert den Trend perfekt: Mining-Unternehmen werden zu hybriden Infrastrukturanbietern. Gleichzeitig legt ein neuer Forschungsbericht dar, warum gerade diese Verschmelzung die öffentliche Debatte kompliziert und eine differenzierte Betrachtung dringlicher macht denn je.
Die Fakten
MARA Holdings hat die Übernahme einer 64-prozentigen Beteiligung am französischen Recheninfrastruktur-Betreiber Exaion abgeschlossen, nachdem die erforderlichen regulatorischen Genehmigungen eingeholt wurden [1]. Der französische Energiekonzern EDF bleibt Minderheitsaktionär und Kunde des Unternehmens. Als Teil der Transaktion erwirbt NJJ Capital, das Investmentvehikel des Telekommunikations-Unternehmers Xavier Niel, eine 10-prozentige Beteiligung an MARA France [1].
Dieser strategische Schritt reiht sich in einen breiteren Branchentrend ein: Mining-Unternehmen diversifizieren zunehmend in KI- und Cloud-Computing-Infrastruktur. Nach dem Halving 2024, das die Block-Belohnungen halbierte, und steigender Netzwerk-Schwierigkeit sehen sich viele börsennotierte Miner gezwungen, hybride Geschäftsmodelle zu entwickeln [1]. Unternehmen wie HIVE Digital Technologies, TeraWulf, Hut 8, IREN und CleanSpark wandeln Mining-Anlagen und Energiekapazitäten in KI-Rechenzentren um oder bauen diese aus [1]. CleanSpark kündigte im November beispielsweise an, durch ein konvertierbares Schuldscheindarlehen bis zu 1,28 Milliarden US-Dollar aufzunehmen, um sowohl Mining- als auch Rechenzentrumsoperationen zu erweitern [1].
Zeitgleich wächst der politische Druck auf beide Industrien. Der Internationale Währungsfonds forderte im August 2024 eine stärkere CO₂-Bepreisung und zusätzliche Abgaben für Bitcoin und KI [2]. Im April 2025 wurde der "Clean Cloud Act of 2025" eingereicht, um Emissionsstandards für Rechenzentren und Mining-Anlagen festzulegen [2]. British Columbia kündigte an, neue Mining-Projekte vom Stromnetz auszuschließen, um Kapazitäten für andere Industrien – explizit KI – freizuhalten [2]. Im US-Bundesstaat New York wird sogar ein dreijähriger Baustopp für Rechenzentren über 20 Megawatt diskutiert [2].
Dem gegenüber steht ein neuer Forschungsbericht der Krypto-Investmentfirma Paradigm mit dem Titel "Green Mining, Stable Grids", verfasst von Justin Slaughter und Veronica Irwin [2]. Der Bericht argumentiert, dass die häufige Gleichsetzung von Bitcoin-Mining und KI-Rechenzentren auf methodischen Fehlern basiert. Die Autoren betonen, dass Bitcoin-Mining etwa 0,23 Prozent des globalen Stromverbrauchs und rund 0,08 Prozent der globalen CO₂-Emissionen ausmacht [2]. Entscheidend sei jedoch nicht die absolute Menge, sondern die Art des Energieverbrauchs.
Der Bericht hebt hervor, dass Mining-Anlagen als "flexible Last" fungieren, die dynamisch auf Strompreise und Netzauslastung reagieren kann [2]. Im Gegensatz zu KI-Rechenzentren, die kontinuierlich hohe Leistung benötigen, können Mining-Betriebe ihre Kapazität schnell hoch- und herunterfahren. Viele Miner nutzen Power Purchase Agreements und Demand-Response-Programme, um bei niedriger Netzauslastung günstig Energie zu beziehen und bei Spitzenlast Strom zurückzuverkaufen [2]. Das Unternehmen Riot Platforms beispielsweise zahlt häufig einen festen Strompreis im Voraus, der über dem Spotpreis liegt, und verkauft die bereits bezahlte Energie bei hoher Nachfrage zu höheren Preisen zurück [2].
Parallel dazu stieg die Bitcoin-Mining-Difficulty am vergangenen Freitag um etwa 15 Prozent auf 144,4 Billionen, nachdem sie zuvor um 11 Prozent gefallen war – der stärkste Rückgang seit Chinas Mining-Verbot 2021 [1]. Der vorherige Rückgang war auf schwere Winterstürme in den USA zurückzuführen, die Stromnetze störten und viele Miner temporär vom Netz nahmen [1].
Analyse & Einordnung
Die scheinbar widersprüchlichen Entwicklungen – Mining-Unternehmen investieren in KI-Infrastruktur, während ein Forschungsbericht ihre fundamentalen Unterschiede betont – offenbaren eine tiefere Spannung in der Industrie. Die Mining-Branche befindet sich in einer Identitätskrise, die durch ökonomischen Druck ausgelöst wurde, aber weitreichende regulatorische Konsequenzen haben könnte.
Der Paradigm-Bericht liefert wichtige Argumente für eine differenzierte Regulierung. Die Fähigkeit von Mining-Anlagen, als flexible Last zu fungieren, ist kein theoretisches Konstrukt, sondern wird bereits praktisch genutzt – wie das Beispiel Riot Platforms zeigt. Diese Flexibilität macht Mining-Operationen zu einem potenziell stabilisierenden Element in Stromnetzen mit hohem Anteil erneuerbarer Energien, die naturgemäß mit Volatilität in der Energieerzeugung kämpfen. KI-Rechenzentren hingegen benötigen konstante, hochqualitative Stromversorgung und können nicht als Puffer dienen.
Doch die Realität ist komplexer als die analytische Reinform: Wenn MARA, CleanSpark und andere Miner zunehmend hybride Infrastrukturen betreiben, verwässern sie genau jene Unterscheidung, die sie vor pauschaler Regulierung schützen könnte. Ein Rechenzentrum, das vormittags Bitcoin mint und nachmittags KI-Workloads verarbeitet, ist weder rein flexibel noch rein starr. Regulierungsbehörden, die ohnehin Schwierigkeiten haben, die technischen Nuancen zu erfassen, könnten diese Verschmelzung als Grund sehen, beide Kategorien gleich zu behandeln.
Historisch betrachtet folgt die Mining-Industrie einem bekannten Muster: Nach jedem Halving steigt der Druck auf weniger effiziente Betreiber, die dann nach alternativen Einnahmequellen suchen. Nach dem Halving 2020 war es die Expansion in nordamerikanische Märkte nach Chinas Verbot. Jetzt ist es die Diversifikation in KI-Infrastruktur. Der Unterschied: Damals stärkte die geografische Diversifikation die Dezentralisierung des Netzwerks. Heute könnte die geschäftliche Diversifikation die regulatorische Position der gesamten Branche schwächen. Die 15-prozentige Difficulty-Erhöhung zeigt zudem, dass der Wettbewerb im reinen Mining intensiv bleibt – trotz aller Diversifikationsbestrebungen ist die fundamentale Netzwerksicherheit robust.
Fazit
• Die Mining-Industrie steht vor einem regulatorischen Scheideweg: Während wissenschaftliche Evidenz die Unterschiede zu KI-Rechenzentren belegt, verwischen hybride Geschäftsmodelle genau diese Trennlinien in der Praxis
• Bitcoin-Mining bietet als flexible, preissensible Last echte Vorteile für Netzstabilität und Integration erneuerbarer Energien – ein Argument, das in politischen Debatten bisher kaum Gehör findet, aber entscheidend werden könnte
• Die Diversifikation in KI-Infrastruktur mag kurzfristig Margen stabilisieren, könnte aber langfristig die Sonderstellung des Minings in regulatorischen Diskussionen gefährden
• Anleger sollten beobachten, wie Mining-Unternehmen die Balance zwischen profitabler Diversifikation und Erhalt ihrer netzdienlichen Charakteristika managen – diese Balance wird über regulatorischen Erfolg oder Misserfolg entscheiden
• Die robuste Difficulty-Anpassung trotz Winterstürmen und Industriewandel demonstriert: Das Bitcoin-Netzwerk selbst bleibt von Geschäftsmodell-Experimenten einzelner Miner weitgehend unbeeinflusst
Quellen
KI-gestützter Inhalt
Dieser Artikel wurde mit KI-Unterstützung erstellt. Alle Fakten stammen aus verifizierten Nachrichtenquellen.