Bitcoins Mining-Identitätskrise: Von der Erde in den Orbit und in die KI

Bitcoins Mining-Identitätskrise: Von der Erde in den Orbit und in die KI

Während öffentlich gehandelte Bitcoin-Miner die orange Münze zugunsten von KI-Rechenzentrumsverträgen aufgeben, will ein wagemutiges Startup Bitcoin im Weltraum minen — gemeinsam offenbaren diese Entwicklungen eine Mining-Industrie an einem tiefgreifenden strategischen Scheideweg.

Bitcoins Mining-Identitätskrise: Von der Erde in den Orbit und in die KI

Die Bitcoin-Mining-Industrie greift gleichzeitig nach den Sternen und stellt ihre eigenen Grundlagen in Frage. Einerseits streicht eine wachsende Gruppe börsennotierter Miner das Wort „Bitcoin" aus ihren Markennamen und vermietet ihre Infrastruktur an Microsoft, Google und Amazon. Andererseits bereitet ein von Nvidia unterstütztes Startup den Start von ASIC-Mining-Hardware in den Erdorbit vor. Diese beiden Entwicklungen, die scheinbar aus verschiedenen Galaxien stammen, erzählen tatsächlich dieselbe Geschichte: Die Beziehung der Mining-Industrie zu Bitcoin selbst wird auf eine bislang beispiellose Probe gestellt.

Die Fakten

Im November 2025 startete das US-amerikanische Startup Starcloud — früher bekannt als Lumen Orbit und im amerikanischen Bundesstaat Washington ansässig — in Partnerschaft mit Nvidia erfolgreich seinen ersten Testsatelliten, Starcloud-1 [1]. Der Satellit trug Nvidia H100 GPUs, die in der Lage sind, KI-Training und -Inferenz im Orbit durchzuführen, gespeist durch im Weltraum gesammelte Solarenergie. Nun hat Starcloud-CEO Philip Johnston Pläne angekündigt, noch weiter zu gehen: Der nächste SpaceX-Start des Unternehmens, der noch vor Jahresende erwartet wird, soll ASIC-Bitcoin-Miner umfassen — mit dem erklärten Ziel, der erste Betrieb zu werden, der Bitcoin im Weltraum mined [1].

Die Argumentation für orbitales Computing ist auf dem Papier überzeugend. Solarpanele in bestimmten Erdorbits können mit bis zu achtmal höherer Effizienz arbeiten als ihre terrestrischen Pendants, da sie frei von Nachtzyklen und Wetterstörungen sind [1]. Die Wärmeabfuhr wird passiv durch Abstrahlung in das Weltraumvakuum gehandhabt, wodurch der enorme Wasser- und Strombedarf herkömmlicher Kühlsysteme entfällt. Johnston entwirft die Vision einer Konstellation von 88.000 KI-Satelliten, die letztendlich in der Lage sein sollen, jährlich 10 Gigawatt neue Rechenkapazität bereitzustellen, wobei regelmäßige Starts möglicherweise ab 2029 realisierbar werden [1]. Analysten prognostizieren, dass der Markt für orbitale Rechenzentren von 1,77 Milliarden Dollar im Jahr 2029 auf rund 39,1 Milliarden Dollar bis 2035 anwachsen könnte, was einem jährlichen Wachstum von etwa 67 Prozent entspricht [1].

Auf der Erde jedoch ist die Lage für traditionelle Miner düsterer. Kent Halliburton, Mitgründer und CEO von Sazmining, erklärte gegenüber dem Bitcoin Magazine, dass die durchschnittlichen Kosten für das Mining eines Bitcoin derzeit bei etwa 87.000 Dollar liegen, während der Spotpreis um die 70.000 Dollar pendelte — was bedeutet, dass der Großteil der Industrie mit Verlust operiert [2]. Börsennotierte Miner haben diesen finanziellen Druck als Rechtfertigung für eine Umorientierung hin zu KI genutzt. Cipher Digital — früher Cypher Mining, mit einem Wert von rund sechs Milliarden Dollar — veräußerte einen 49-Prozent-Anteil an drei großen Mining-Standorten und hat sich vollständig auf High-Performance-Computing (HPC) ausgerichtet [2]. Bitfarms-CEO Ben Gagnon erklärte sogar: „Wir sind kein Bitcoin-Unternehmen mehr" [2]. Unterdessen gab IREN Limited eine 9,7-Milliarden-Dollar-Vereinbarung über fünf Jahre mit Microsoft bekannt; Core Scientific weitete seine HPC-Aktivitäten auf 270 MW durch Partnerschaften für Microsoft- und OpenAI-Workloads aus; und Hut 8 unterzeichnete einen 15-jährigen Mietvertrag über 245 MW, der von Google unterstützt wird [2].

Halliburton, dessen Unternehmen in Paraguay und Äthiopien tätig ist, widersprach der Darstellung, dass Bitcoin-Mining grundsätzlich unrentabel sei, mit Nachdruck. „An unseren Standorten in Paraguay und Äthiopien produzieren unsere Kunden Bitcoin auf Basis von Energiekosten zwischen 50.000 und 64.000 Dollar — zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien", sagte er [2]. Seine weitergehende Kritik ist präzise formuliert: Börsennotierte Miner „hatten die Stromverträge, das Land, die Infrastruktur — alles, was man braucht, um Bitcoin günstig zu minen — und übergeben das nun Microsoft und Google im Tausch gegen Leasingchecks", während sie über 15.000 Bitcoin aus ihren Bilanzen verkauft hätten, um den Strategiewechsel zu finanzieren [2].

Analyse & Kontext

Die historische Parallele, die das Bitcoin Magazine zieht, verdient sorgfältige Betrachtung. Die Eisenbahnbarone der 1870er Jahre und die Glasfaserinfrastruktur-Aufbauer der späten 1990er Jahre errichteten beide die wesentliche Infrastruktur transformativer Epochen — und die meisten von ihnen gingen bankrott oder wurden von Konsolidatoren für einen Bruchteil ihres Wertes geschluckt [2]. J.P. Morgan übernahm die Eisenbahnen; Google und Meta absorbierten die Glasfaserleitungen. Die Gewinner waren nicht die Erbauer, sondern das geduldige Kapital, das nach dem Crash einstieg. Goldman Sachs hat KI-Bewertungen bereits als „überhitzt" eingestuft, und Sequoias David Chan hat eine Lücke von 600 Milliarden Dollar zwischen KI-getriebenen Einnahmen und Investitionsausgaben identifiziert — wobei die Capex-Verpflichtungen der Hyperscaler für 2026 700 Milliarden Dollar übersteigen, während die Einnahmen, selbst einschließlich OpenAIs beeindruckender 20 Milliarden Dollar ARR, nur einen Bruchteil dieser Ausgaben abdecken [2].

Für Bitcoin im Besonderen ist die Ironie tiefgreifend. Miner, die das Protokoll in seinem kapitalintensivsten Moment verließen — unmittelbar nach einem Halving, das die Margen komprimierte — könnten ihren dauerhaftesten Wettbewerbsvorteil preisgeben: eine kostengünstige Energieinfrastruktur, die außerordentlich schwer zu replizieren ist. Bitcoins Sicherheitsmodell hängt von einem global verteilten, wettbewerbsfähigen Mining-Ökosystem ab. Wenn große Miner in Wellen aussteigen, konzentriert sich die Hashrate und erhöht potenziell die Netzwerkvulnerabilität auf mittlere Sicht. Praktisch gesehen gilt: Sollte die KI-Infrastrukturausgaben jenen spekulativen Blasenkollaps auslösen, den die Geschichte als möglich nahelegt, werden diese Miner ihr Bitcoin-Exposure am Tiefpunkt aufgegeben haben, um KI-Infrastruktur am Höhepunkt zu halten.

Das orbitale Mining-Konzept von Starcloud operiert auf einer völlig anderen philosophischen Ebene. Anstatt der Bitcoin-Ökonomie zu entfliehen, versucht es, die Energiekostengleichung grundlegend zu verändern. ASIC-Hardware kostet schätzungsweise etwa 200 Dollar pro Kilogramm für den Start, gegenüber 500 Dollar pro Kilogramm für KI-GPU-Hardware, was Bitcoin-Mining im Weltraum proportional kosteneffizienter macht [1]. Ob die Wirtschaftlichkeit kurzfristig aufgeht, ist tatsächlich ungewiss — Johnston selbst räumt ein, dass die ersten orbitalen Tests in erster Linie dazu dienen, technische Herausforderungen zu verstehen, und nicht der Gewinnerzielung [1]. Das Konzept demonstriert jedoch etwas Wichtiges: Es gibt Unternehmer, die bereit sind, innerhalb des Bitcoin-Minings zu innovieren, anstatt es aufzugeben — in der Überzeugung, dass günstige, reichlich vorhandene Energie im Proof-of-Work-Mechanismus des Protokolls immer einen Abnehmer finden wird. Ausfälle durch kosmische Strahlung — bereits fünf GPUs versagten auf Starcloud-1 — und Herausforderungen bei der orbitalen Wartung sind reale Hindernisse, aber es sind ingenieurtechnische Probleme, keine konzeptionellen Sackgassen [1].

Wichtigste Erkenntnisse

  • Die KI-Umorientierung großer börsennotierter Bitcoin-Miner — darunter Cipher Digital, Bitfarms, IREN und Core Scientific — stellt eine Wette auf Renditen aus dem Infrastrukturaufbau dar, die historisch gesehen strukturell riskant ist; die Analogien zur Eisenbahn und zu Glasfaserleitungen sind keine Übertreibung.
  • Bitcoin-Mining bleibt an der Frontier für Betreiber mit Zugang zu wirklich günstiger, erneuerbarer Energie profitabel; das Narrativ „Mining ist tot" ist weitgehend eine Geschichte über kostenintensive, netzabhängige US-amerikanische Betriebe, nicht über die globale Industrie.
  • Starcloudss geplanter Start von orbitalem Bitcoin-Mining markiert eine echte technologische Frontier: Wenn weltraumbasierte Solarenergie die Energiekosten unter terrestrische Benchmarks drücken kann, könnte sie langfristig die Mining-Ökonomie auf eine Weise umgestalten, die die Industrie noch nicht vollständig eingepreist hat.
  • Börsennotierte Miner, die Bitcoin-Bestände verkaufen, um KI-Schwenks auf zyklischen Tiefständen zu finanzieren, begehen möglicherweise einen langfristigen strategischen Fehler — sie geben Hard-Money-Bilanzaktiva auf zugunsten von fiat-denominierten Infrastruktur-Leasingverträgen, die an einen Sektor mit ernsthaften Bewertungsfragen gebunden sind.
  • Die Konvergenz von orbitalem Computing und Bitcoin-Mining signalisiert, wie spekulativ sie heute auch erscheinen mag, dass die nächste Innovationsphase im Proof-of-Work möglicherweise vollständig außerhalb des traditionellen Mining-Establishments entstehen wird.

KI-gestützter Inhalt

Dieser Artikel wurde mit KI-Unterstützung erstellt. Alle Fakten stammen aus verifizierten Nachrichtenquellen.

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