Mining-Industrie im Wandel: Bitcoin wird zu Kapital für KI-Expansion

Core Scientific verkauft seine gesamte Bitcoin-Reserve, MARA Holdings öffnet seine Treasury für Verkäufe. Der Trend zum KI-Computing verändert fundamentale Strategien der Mining-Industrie und könnte neuen Verkaufsdruck erzeugen.
Mining-Unternehmen verabschieden sich vom Hodl-Prinzip – KI wird wichtiger als Bitcoin
Eine bemerkenswerte Verschiebung erfasst die Bitcoin-Mining-Industrie: Unternehmen, die jahrelang Bitcoin als strategische Reserve akkumulierten, verkaufen ihre Bestände nun aktiv – und zwar nicht aus Notwendigkeit, sondern aus Strategie. Core Scientific kündigte diese Woche an, nahezu alle gehaltenen Bitcoin zu liquidieren, während MARA Holdings erstmals den Verkauf seiner Treasury-Bestände erlaubt. Der gemeinsame Nenner: Beide Unternehmen benötigen Kapital für die Expansion in lukrative KI- und High-Performance-Computing-Geschäfte. Was als operationale Neuausrichtung einzelner Firmen erscheinen mag, deutet auf einen fundamentalen Wandel in der Mining-Industrie hin – mit potenziellen Auswirkungen auf den Bitcoin-Markt.
Die Fakten
Core Scientific präsentierte am Montag seine Zahlen für das vierte Quartal 2025 und offenbarte dabei eine aggressive Verkaufsstrategie. Das Unternehmen hielt zum 31. Dezember 2025 noch 2.537 Bitcoin im Wert von 222 Millionen US-Dollar auf der Bilanz [2]. Doch bereits im Januar verkaufte Core Scientific 1.924 BTC für rund 175,9 Millionen US-Dollar – zu einem durchschnittlichen Preis von etwa 92.000 US-Dollar pro Coin [1][2]. CFO Jim Nygaard betonte, dass man "opportunistisch" zu "deutlich über dem aktuellen Marktniveau liegenden Preisen" verkauft habe [2].
Doch damit ist das Ende nicht erreicht. In seinem offiziellen SEC-Filing kündigte Core Scientific an: "Wir gehen derzeit davon aus, dass wir im Laufe des Jahres 2026 vorbehaltlich der Marktbedingungen im Wesentlichen alle unsere Bitcoin-Bestände veräußern werden" [2]. CEO Adam Sullivan erklärte, dass der Mining-Betrieb nun im Wesentlichen auslaufe und hauptsächlich aufrechterhalten werde, um Mindeststromverpflichtungen zu erfüllen, während die Einrichtungen für KI-Anwendungen umgerüstet werden [2].
Core Scientific ist dabei nicht allein. MARA Holdings, das zweitgrößte Bitcoin-Treasury-Unternehmen mit 53.822 BTC im Wert von etwa 4,7 Milliarden US-Dollar (basierend auf einem Jahresendpreis von 87.498 US-Dollar), änderte ebenfalls seine Strategie [1]. In einem SEC-Filing gab das Unternehmen bekannt, seine Krypto-Management-Strategie für 2026 erweitert zu haben, um nun auch den Verkauf von Bitcoin aus der Bilanz zu ermöglichen [1]. Zuvor verfolgte MARA eine strikte "Hodl-Strategie", bei der lediglich frisch geschürfte Bitcoin verkauft werden durften [2].
MARA betonte in seinem Filing: "Dementsprechend können wir Bitcoin für langfristige Anlagezwecke halten und von Zeit zu Zeit auch Bitcoin kaufen oder verkaufen, abhängig von den Marktbedingungen und unseren Prioritäten bei der Kapitalallokation" [2]. Etwa 28 Prozent der Bitcoin-Bestände waren bereits in Lending-, Trading- oder Kollateral-Arrangements eingebunden, darunter 9.377 BTC als Darlehen an Gegenparteien und 5.938 BTC als Sicherheit für Kreditfazilitäten im Wert von 350 Millionen US-Dollar [1]. Diese Lending-Aktivitäten generierten 32,1 Millionen US-Dollar an Zinseinnahmen [1].
Der Trend zieht sich durch die gesamte Branche: Riot Platforms verkaufte Mitte Januar 1.080 Bitcoin, um zusätzliches Land zu erwerben und einen 10-Jahres-Deal mit AMD zu finanzieren. Cango reduzierte seine Bitcoin-Bilanz von 8.096 auf 3.645 BTC, um KI-Expansion und Schuldenabbau zu finanzieren. Bitdeer, nach Hashrate das größte Mining-Unternehmen, reduzierte seinen Bitcoin-Bestand auf null [2]. Die Begründung ist überall ähnlich: Im Rahmen des KI-Booms und der Milliardeninvestitionen in KI-Rechenzentren lässt sich derzeit mehr Kapital generieren als durch traditionelles Bitcoin-Mining, zumal die Mining-Unternehmen bereits über die notwendige Infrastruktur und Rechenzentren verfügen [2].
Analyse & Einordnung
Dieser Strategiewechsel markiert einen Wendepunkt für die Mining-Industrie und wirft grundlegende Fragen über die Rolle von Minern im Bitcoin-Ökosystem auf. Historisch waren Mining-Unternehmen natürliche Bitcoin-Verkäufer – sie müssen Betriebskosten wie Strom, Hardware und Personal in Fiat-Währung begleichen. Das Halving im April 2024 verschärfte diese Dynamik, indem es die Block-Belohnungen von 6,25 auf 3,125 BTC reduzierte. MARA schürfte 2025 nur noch 8.799 Bitcoin, verglichen mit 9.430 im Vorjahr [1].
Doch über Jahre hinweg etablierte sich ein Gegentrend: Börsennotierte Miner begannen, Bitcoin als strategische Reserve zu akkumulieren, inspiriert von Unternehmen wie MicroStrategy (heute Strategy). Diese "Hodl-Strategie" wurde als Vertrauensbeweis in Bitcoin interpretiert und half, institutionelle Investoren anzuziehen. Die aktuelle Kehrtwende ist daher mehr als nur eine operative Entscheidung – sie signalisiert, dass viele Mining-Firmen Bitcoin nicht länger als primäres Wertaufbewahrungsmittel ihrer Bilanz betrachten, sondern als liquidierbare Ressource für andere Geschäftsfelder.
Die Frage nach den Marktauswirkungen lässt sich differenziert beantworten: Core Scientific hielt Ende 2024 lediglich 256 BTC und baute seine Reserve 2025 deutlich aus, bevor sie nun wieder abgebaut wird [2]. Die verkauften Mengen – selbst von größeren Minern – sind im Kontext des täglichen Bitcoin-Handelsvolumens überschaubar. Solange MARA Holdings seine 53.822 BTC nicht in großem Stil liquidiert, dürfte der direkte Preisdruck begrenzt bleiben. Dennoch ist die psychologische Komponente nicht zu unterschätzen: Wenn ehemalige Bitcoin-Akkumulateure zu Verkäufern werden, könnte dies das Sentiment belasten, insbesondere da es mit der aktuellen Kursschwäche zusammenfällt – Bitcoin handelt derzeit unter 67.000 US-Dollar [1].
Langfristig stellt sich die Frage, ob dieser Trend reversibel ist oder ob wir eine permanente Neuausrichtung der Mining-Industrie erleben. Die ökonomischen Anreize sprechen derzeit klar für KI und HPC: höhere Margen, langfristige Verträge und weniger Volatilität als das Bitcoin-Mining. Core Scientific verfügt über etwa 530 Millionen US-Dollar Liquidität und sieht Milliarden-Dollar-Finanzierungspotenzial durch Datacenter-Verträge [1]. Sollte sich diese Strategie als erfolgreich erweisen, könnten weitere Miner folgen – was die Frage aufwirft, wie sich die Bitcoin-Hashrate mittelfristig entwickeln wird, auch wenn sie bisher stabil nahe ihrer Höchststände verharrt [2].
Fazit
• Der Strategiewechsel von "Bitcoin hodlen" zu "Bitcoin verkaufen für KI-Expansion" erfasst große Teile der Mining-Industrie und markiert einen fundamentalen Wandel in der Rolle börsennotierter Miner im Bitcoin-Ökosystem
• Core Scientific liquidiert nahezu seine gesamte Bitcoin-Reserve, während MARA Holdings erstmals den Verkauf seiner 53.822 BTC umfassenden Treasury erlaubt – die ökonomischen Anreize im KI- und HPC-Geschäft überwiegen derzeit die Bitcoin-Akkumulation
• Der direkte Verkaufsdruck auf den Bitcoin-Preis erscheint kurzfristig überschaubar, solange MARA seine großen Bestände nicht massiv liquidiert – die psychologische Wirkung des Strategiewechsels könnte jedoch das Sentiment belasten
• Die bisherige Stabilität der Bitcoin-Hashrate nahe Höchstständen zeigt, dass andere Miner die Lücke füllen, doch die langfristige Entwicklung bleibt abzuwarten, falls der KI-Trend weitere große Mining-Unternehmen erfasst
• Für Bitcoin-Investoren bedeutet dies: Die historische Annahme, dass börsennotierte Miner langfristige Bitcoin-Akkumulateure sind, gilt nicht mehr uneingeschränkt – die Branche diversifiziert sich und Bitcoin wird zunehmend als Finanzierungsinstrument statt als Endziel betrachtet
Quellen
KI-gestützter Inhalt
Dieser Artikel wurde mit KI-Unterstützung erstellt. Alle Fakten stammen aus verifizierten Nachrichtenquellen.