Stablecoin-Markt im Umbruch: Tether rudert zurück, während europäische Bankenallianz zum Gegenschlag ausholt

Stablecoin-Markt im Umbruch: Tether rudert zurück, während europäische Bankenallianz zum Gegenschlag ausholt

Während Tether seine Fundraising-Ambitionen drastisch reduziert und auf reduzierte Investorenbereitschaft trifft, formiert sich in Europa eine mächtige Bankenallianz. Zwölf Großbanken wollen mit einem Euro-Stablecoin die US-Dominanz im digitalen Zahlungsverkehr brechen – ein Wendepunkt für die Stablecoin-Landschaft.

Stablecoin-Markt im Umbruch: Tether rudert zurück, während europäische Bankenallianz zum Gegenschlag ausholt

Der globale Stablecoin-Markt steht vor einer bedeutenden Neuordnung. Während Marktführer Tether seine ursprünglich ambitionierten Fundraising-Pläne massiv zurückschrauben musste, formiert sich in Europa eine beeindruckende Bankenallianz, die mit einem regulierten Euro-Stablecoin die amerikanische Dominanz herausfordern will. Diese parallelen Entwicklungen zeichnen ein aufschlussreiches Bild über die Machtverhältnisse und strategischen Verschiebungen in einem Markt, der zunehmend zum Schlachtfeld zwischen privaten Krypto-Unternehmen und traditionellen Finanzinstitutionen wird.

Die Ereignisse offenbaren nicht nur die Grenzen selbst profitabler Krypto-Unternehmen bei der Kapitalbeschaffung, sondern auch das wachsende Unbehagen europäischer Regulierungsbehörden gegenüber der US-zentrischen Stablecoin-Infrastruktur – eine Entwicklung mit weitreichenden Implikationen für die gesamte digitale Finanzlandschaft.

Die Fakten

Tether, der weltweit führende Stablecoin-Emittent, hat seine Finanzierungsziele drastisch angepasst. Statt der ursprünglich angestrebten 15 bis 20 Milliarden US-Dollar peilt das Unternehmen von Paolo Ardoino nun lediglich fünf Milliarden US-Dollar an [1]. Die ursprüngliche Summe hätte Tether mit einer Bewertung von knapp 500 Milliarden US-Dollar zu einem der wertvollsten privaten Unternehmen weltweit gemacht [1].

Laut Bericht der Financial Times waren Investoren nicht bereit, das geforderte Volumen aufzubringen, woraufhin Berater des Unternehmens eine Anpassung der Ziele vorschlugen [1]. CEO Paolo Ardoino widersprach dieser Darstellung jedoch in einem Interview und bezeichnete die höhere Zahl als "Maximum, das wir bereit gewesen wären, zu verkaufen", nicht als tatsächliches Ziel [1]. Er betonte, dass Tether aufgrund seiner hohen Profitabilität keinen zwingenden Kapitalbedarf habe und auch ein vollständiger Verzicht auf eine Kapitalaufnahme akzeptabel wäre [1].

Die finanzielle Situation Tethers scheint diese Aussage zu stützen: Das Unternehmen wies kürzlich einen Gewinn von zehn Milliarden US-Dollar aus – wenn auch leicht unter dem Vorjahreswert [1]. Die Nachfrage nach dem USDT-Stablecoin bleibt robust: In den vergangenen zwölf Monaten brachte Tether Token im Gesamtwert von 50 Milliarden US-Dollar auf den Markt [1]. Zudem lancierte das Unternehmen vor kurzem einen US-konformen Stablecoin (USAT), der gezielt auf Banken, Börsen und Zahlungsdienstleister in den USA abzielt [1].

Parallel zu Tethers Herausforderungen formiert sich in Europa eine bedeutende Gegenbewegung. Die spanische Großbank BBVA ist einem europäischen Bankenkonsortium beigetreten, das einen gemeinsamen, an den Euro gekoppelten Stablecoin plant [2]. Das Konsortium umfasst zwölf bedeutende Institute, darunter BNP Paribas, ING, UniCredit, CaixaBank, DZ BANK, KBC, SEB, Danske Bank, DekaBank, Banca Sella und Raiffeisen Bank International [2].

Für die Umsetzung wurde das Joint Venture Qivalis mit Sitz in Amsterdam gegründet, das als E-Geld-Institut zugelassen werden soll [2]. Der Euro-Stablecoin soll Zahlungen zwischen Banken beschleunigen und die Abwicklung tokenisierter Vermögenswerte ermöglichen, insbesondere grenzüberschreitende Zahlungen zwischen Geschäftskunden sowie die effiziente Abwicklung digitaler Finanzinstrumente [2]. Die wertstabile Kryptowährung soll innerhalb eines regulierten Rahmens ausgegeben werden und den Vorgaben der europäischen Krypto-Regulierung MiCA entsprechen, mit einem geplanten operativen Start in der zweiten Jahreshälfte 2026 [2].

Die Motivation hinter dieser Initiative ist eindeutig: Euro-Stablecoins können Abhängigkeiten von US-Zahlungsdienstleistern verringern. Die Europäische Zentralbank hatte im Juli vergangenen Jahres explizit vor der rapiden Verbreitung US-denominierter Stablecoins gewarnt [2].

Analyse & Einordnung

Die gescheiterten Fundraising-Ambitionen Tethers – unabhängig von Ardoinos öffentlicher Schadensbegrenzung – senden ein bedeutsames Signal: Selbst das profitabelste Unternehmen im Krypto-Sektor stößt bei institutionellen Investoren auf Zurückhaltung, wenn es um Bewertungen im dreistelligen Milliardenbereich geht. Dies reflektiert eine gewachsene Skepsis gegenüber Krypto-Bewertungen nach den Exzessen von 2021 und den nachfolgenden Zusammenbrüchen wie FTX. Investoren scheinen trotz Tethers beeindruckender Profitabilität Bedenken hinsichtlich regulatorischer Risiken, Transparenzfragen und der langfristigen Nachhaltigkeit des Geschäftsmodells zu haben.

Die europäische Bankenallianz hingegen demonstriert einen fundamentalen strategischen Wandel: Traditionelle Finanzinstitute treten nicht mehr nur als Kritiker oder passive Beobachter auf, sondern als aktive Gestalter der Stablecoin-Infrastruktur. Die Wahl eines MiCA-konformen, bankengeführten Modells könnte sich als Wettbewerbsvorteil erweisen, insbesondere für institutionelle Anwendungsfälle, bei denen Compliance und regulatorische Sicherheit Priorität haben. Anders als bei privaten Stablecoin-Emittenten profitiert Qivalis von der etablierten Glaubwürdigkeit und den bestehenden Kundenbeziehungen seiner Trägerbanken.

Für Bitcoin-Investoren und den breiteren Krypto-Markt sind diese Entwicklungen bedeutsam: Stablecoins fungieren als kritische Infrastruktur für den Handel und die Liquidität im gesamten digitalen Asset-Ökosystem. Ein fragmentierterer Stablecoin-Markt mit stärkerer regionaler und regulatorischer Ausdifferenzierung könnte zunächst zu höherer Komplexität führen, langfristig aber auch zu robusteren, rechtssicheren Strukturen. Der Erfolg regulierter, bankengeführter Stablecoins könnte zudem institutionelle Akteure ermutigen, stärker in digitale Assets wie Bitcoin zu investieren, da Bedenken hinsichtlich Fiat-Onramps und -Offramps abnehmen.

Historisch betrachtet haben staatliche und bankenseitige Initiativen im Krypto-Bereich allerdings oft mit Innovationsträgheit und mangelnder Marktakzeptanz zu kämpfen. Der Start in der zweiten Jahreshälfte 2026 gibt Tether und anderen privaten Anbietern erheblichen zeitlichen Vorsprung, um Marktanteile weiter zu festigen. Dennoch: Die regulatorische Rückendeckung und die gebündelte Kraft von zwölf europäischen Großbanken sollten nicht unterschätzt werden – insbesondere nicht in einem zunehmend regulierten Umfeld.

Fazit

• Tethers reduzierte Fundraising-Ambitionen offenbaren institutionelle Skepsis gegenüber Krypto-Bewertungen im dreistelligen Milliardenbereich, trotz beeindruckender Profitabilität – ein Zeichen für anhaltende Bedenken bezüglich regulatorischer Risiken und langfristiger Nachhaltigkeit

• Die europäische Bankenallianz mit zwölf Großbanken markiert einen Paradigmenwechsel: Traditionelle Finanzinstitute werden von Beobachtern zu aktiven Gestaltern der Stablecoin-Infrastruktur und nutzen MiCA-Konformität als strategischen Wettbewerbsvorteil

• Die regionale Fragmentierung des Stablecoin-Markts zwischen US-dominierten privaten Anbietern und europäischen Bankenkonsortien könnte kurzfristig zu höherer Komplexität führen, langfristig aber zu robusteren und rechtssichereren Strukturen für das gesamte digitale Asset-Ökosystem

• Für Bitcoin und den breiteren Krypto-Markt sind diese Entwicklungen relevant: Regulierte, bankengeführte Stablecoins könnten institutionelle Investoren ermutigen, da Bedenken hinsichtlich Fiat-Infrastruktur abnehmen – allerdings bleibt abzuwarten, ob die Initiative die nötige Marktakzeptanz gegen etablierte Player erreichen kann

• Der zeitliche Vorsprung bis 2026 gibt Tether erheblichen Spielraum zur Marktkonsolidierung, während gleichzeitig die regulatorische Landschaft zunehmend Compliance-konforme Lösungen bevorzugen könnte – ein Wettlauf zwischen First-Mover-Vorteil und regulatorischer Legitimität

KI-gestützter Inhalt

Dieser Artikel wurde mit KI-Unterstützung erstellt. Alle Fakten stammen aus verifizierten Nachrichtenquellen.

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