Strategy unter Beschuss: Was die Short-Wetten für Bitcoin bedeuten

Strategy unter Beschuss: Was die Short-Wetten für Bitcoin bedeuten

Strategy führt die Liste der am stärksten leerverkauften US-Großkonzerne an. Doch die 14% Short-Quote ist weder historisch außergewöhnlich noch zwingend eine Wette gegen Bitcoin – eine Einordnung der Faktenlage.

Strategy unter Beschuss: Was die Short-Wetten für Bitcoin bedeuten

Der größte institutionelle Bitcoin-Halter steht im Fokus der Shortseller: Strategy, das Unternehmen von Michael Saylor, führt aktuell die Liste der am stärksten leerverkauften US-Großkonzerne an. Mit 717.722 BTC auf der Bilanz und einer Aktie, die seit November 2024 um circa 80% gefallen ist, stellt sich die Frage: Handelt es sich hier um einen koordinierten Angriff auf Bitcoin – oder lediglich um rationale Marktmechanismen? Die Analyse zeigt ein deutlich differenzierteres Bild, als reißerische Schlagzeilen suggerieren.

Die Fakten

Eine Grafik aus einem Report der Großbank Goldman Sachs zeigt Strategy Ende 2025 mit einer Short-Quote von 14% an der Spitze aller US-Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von mehr als 25 Milliarden US-Dollar [1]. Die Short-Quote berechnet sich durch die Relation der leerverkauften Aktien zur Marktkapitalisierung eines Unternehmens. Bei Leerverkäufen leihen sich Trader Aktien und verkaufen diese in der Absicht, sie zu niedrigeren Kursen zurückkaufen zu können [1].

Die Strategy-Aktie (MSTR) notiert aktuell wieder unter der Marke von 130 US-Dollar und damit 50 Prozent unter dem Niveau vom Vorjahr [2]. Seit dem Allzeithoch aus dem November 2024 ist MSTR sogar um circa 80% gefallen [1]. Derzeit hält Strategy 717.722 Bitcoin im Wert von rund 46,68 Milliarden US-Dollar. Der durchschnittliche Kaufpreis liegt bei etwa 76.020 US-Dollar pro Bitcoin, was bei einem aktuellen Kurs von rund 66.000 US-Dollar einem nicht realisierten Verlust von etwa sieben Milliarden US-Dollar entspricht [2].

Für Strategy ist die schwache Performance der vergangenen Monate ein Problem, da die Ausgabe von Stammaktien die primäre Kapitalbeschaffungsmethode darstellt. In den Jahren 2024 und 2025 sammelte die Aktiengesellschaft jeweils 16,3 Milliarden US-Dollar auf diesem Weg ein [1]. Strategy gilt als gehebelter Aktienproxy auf Bitcoin: Das Unternehmen nimmt Kapital über Aktien- und Anleiheemissionen auf und investiert die Erlöse in BTC [2].

Einige Medien interpretierten die Zahlen als Hinweis auf einen aggressiven Angriff. Das Krypto-Medium Cointelegraph behauptete etwa, Strategy sei nun zum am stärksten geshorteten Unternehmen der Welt geworden – eine offensichtliche Fehlinformation, da sich die Grafik explizit nur auf US-amerikanische Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von mehr als 25 Milliarden US-Dollar bezieht [1]. Auch die Financial Times ordnete irreführend ein, dass Strategy ein Jahr zuvor gar nicht auf der Liste vertreten gewesen sei. Ein Blick auf den Report von Goldman Sachs aus dem Februar 2025 zeigt jedoch, dass Strategy (damals noch MicroStrategy) ebenfalls auf Platz 1 lag – mit einer Short-Quote von 10% [1].

Bei seiner Rede auf der Veranstaltung "Bitcoin for Corporations" unterstrich Saylor erneut seine Position: "Ich verspreche, die Bitcoin nicht zu verkaufen. Wir sind darauf spezialisiert, Bitcoins nicht zu verkaufen. Wir sind darin sehr gut geworden. Wir haben einen Doktortitel im Hodling" [1].

Analyse & Einordnung

Die 14% Short-Quote von Strategy mag auf den ersten Blick besorgniserregend wirken, doch eine historische Einordnung relativiert das Bild erheblich. Daten von chartexchange zeigen, dass die Short-Quote im November 2024, als die MSTR-Aktie ihr bisheriges Allzeithoch erreichte, zeitweise über 17% lag – und seit Ende 2025 ist der Wert sogar wieder zurückgelaufen [1]. Im Frühjahr 2024 betrug die Quote circa 20%, worauf eine große Rally folgte [1]. Strategy ist bei weitem nicht das am stärksten geshortete Unternehmen: Das Tele-Health-Unternehmen Hims & Hers weist beispielsweise aktuell eine Short-Quote von über 30% auf [1].

Entscheidend ist zudem die Motivation hinter den Short-Positionen. Diese bedeuten nicht zwangsläufig eine Wette gegen Bitcoin. Ein populärer Trade der vergangenen Monate war, Strategy zu shorten und gleichzeitig bei Bitcoin long zu sein – prominent umgesetzt etwa vom bekannten Investor Jim Chanos. Dadurch ließ sich von dem zurücklaufenden Premium von Strategy profitieren, unabhängig von der Bitcoin-Kursentwicklung. Mittlerweile ist Strategy in etwa so viel wert wie die Bitcoin-Bilanz abzüglich der Schulden, was Chanos bereits veranlasste, seine Wette aufzulösen [1].

Die fundamentale Position von Strategy ist stabiler als vielfach angenommen. Mit der aufgebauten Cash-Reserve kann das Unternehmen seinen Zahlungsverpflichtungen (Dividenden der Vorzugsaktien und Zinsen der Wandelanleihen) für circa 2,5 Jahre nachkommen, ohne weiteres Geld durch die Ausgabe von Stammaktien einsammeln zu müssen [1]. Laut dem Management müsste der Bitcoin-Kurs in die Vierstelligkeit zurückfallen und dort bis 2032 verweilen, damit sich Strategy ernsthaften Problemen konfrontiert sieht [1]. Zum aktuellen Zeitpunkt scheint es entsprechend höchst unwahrscheinlich, dass es gelingen könnte, das Unternehmen zum Verkauf von Bitcoin zu zwingen.

Die aktuelle Situation zeigt vielmehr die Herausforderungen eines gehebelten Bitcoin-Proxys in volatilen Marktphasen. In Aufwärtsphasen verstärkt das Geschäftsmodell Kursgewinne, in Abschwüngen steigt der Druck entsprechend. Seit dem ersten Bitcoin-Kauf ist MSTR dennoch mehr als 900% im Plus, während sich BTC im gleichen Zeitraum "nur" in etwa verfünffachen konnte [1].

Fazit

• Die 14% Short-Quote von Strategy ist weder historisch außergewöhnlich noch ein Indiz für einen gezielten Angriff – im November 2024 lag sie mit über 17% sogar höher, im Frühjahr 2024 bei circa 20%

• Short-Positionen bei Strategy sind nicht zwangsläufig Wetten gegen Bitcoin, sondern oft Trades gegen das zurücklaufende Premium des Unternehmens bei gleichzeitiger Long-Position in BTC

• Strategy ist fundamental gut aufgestellt: Das Unternehmen kann seinen Zahlungsverpflichtungen für circa 2,5 Jahre nachkommen und wäre selbst bei einem Bitcoin-Kurs im vierstelligen Bereich bis 2032 nicht in ernsthaften Schwierigkeiten

• Die mediale Darstellung als "weltweit am stärksten geshortete Aktie" ist irreführend und bezieht sich nur auf US-Großkonzerne mit über 25 Milliarden Dollar Marktkapitalisierung – viele kleinere Unternehmen weisen deutlich höhere Short-Quoten auf

• Das Beispiel zeigt die Volatilität gehebelt Strategien in beide Richtungen: Während Strategy seit dem ersten Bitcoin-Kauf um über 900% zulegte, folgt nun die Belastungsprobe in schwierigen Marktphasen

KI-gestützter Inhalt

Dieser Artikel wurde mit KI-Unterstützung erstellt. Alle Fakten stammen aus verifizierten Nachrichtenquellen.

Marktanalyse

Artikel teilen

Verwandte Artikel